LUNA-Sennestadt

Das Konzept des LUNA - Stand 16.04.2018

Konzeption des LUNA - Stand April 2018 - Zum Download
Konzeption LUNA_2018_07_05_v.07.pdf
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Einleitung
Das LUNA ist das größte Haus der Offenen Tür für Kinder und Jugendliche in Bielefeld. Das
Gebäude wurde in den 1960er Jahren von dem Architekten Hans Bernhard Reichow von
Anfang an nur für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen konzipiert und gebaut. Seit 1997
sind die Sportfreunde Sennestadt e.V. Träger der Einrichtung. Im Auftrag des Kinder- und
Jugendhilfegesetzes (SGB XIII) und des Kinder- und Jugendförderplans der Stadt Bielefeld
stehen junge Menschen im Alter von ca. 7 bis 27 Jahren im Zentrum des pädagogischen
Handelns des LUNAs.
Das LUNA bietet jungen Menschen Freiräume zur selbstbestimmten Freizeitgestaltung. Den
Hauptschwerpunkt stellt dabei die Offene Tür dar. Dies ist ein kostenloses Angebot am
Nachmittag, welches ohne Anmeldung und stets freiwillig besucht werden kann. Wir wollen,
dass die ca. 5.500 in Sennestadt lebenden Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im
LUNA eine schöne Zeit verbringen – frei, nach eigene Vorstellungen und ohne Zwang und
Stress des Alltags. Wir sind überzeugt, dass diese „schöne Zeit“ bei uns im Haus die Zeit des
Heranwachsens positiv prägt. Wir stärken junge Menschen und fördern ihren Selbstwert
sowie ihre Resilienz durch Selbstwirksamkeitserfahrungen und Spaß.
Der Stadtteil Sennestadt ist seit seiner Gründung ein Ort der Begegnung und Integration –
damals vornehmlich durch den Zuzug von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen. Heutzutage
leben hier Menschen hauptsächlich mit türkisch – arabischen, kurdischen,
russlanddeutschen und polnischen Herkünften sowie in den letzten Jahren geflüchtete
Menschen aus dem Irak und Syrien. Sennestadt verfügt über den höchsten Anteil von
Bewohner*innen mit Migrationshintergrund in Bielefeld. Einen besonderen Stellenwert in
unserer Arbeit nimmt daher ein integrativer Ansatz ein, den wir als Miteinander auf
Augenhöhe verstehen. Wir fördern das Kennenlernen und gegenseitige Verstehen von
Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Kulturkreise. Im Rahmen unserer
Möglichkeiten gestalten wir unsere Angebote zudem inklusiv.
Unsere pädagogische Kernkompetenz ist professionelle Beziehungsarbeit in
niedrigschwelligen Settings. Methodische Schwerpunkte bilden der Umgang mit digitalen
Medien sowie Bewegungsangebote. Damit trägt der Sportfreunde Sennestadt e.V. mit dem
LUNA zur Lebensqualität, Familienfreundlichkeit und Weltoffenheit des Stadtteils
Sennestadt bei.

Beziehungsarbeit und Ansprechpartner


Wir nehmen unsere Besucher*Innen als Persönlichkeiten wahr, schätzen sie wert und unterstützen sie in ihrer Entwicklung. Wir bieten Rat, Hilfe und Orientierung:

  • Wir wenden uns bei der Begrüßung und der Verabschiedung persönlich zu
    (z.B. Handschlag etc., Fragen stellen, Bezug nehmen auf Vorheriges, empathisches Eingehen, Interesse zeigen am Alltag bzw. der Person …).
  • Wir nehmen uns Zeit für (vertrauensvolle) Gespräche ohne uns aufzudrängen.
  • Wir ziehen uns empathisch zurück, wenn wir nicht involviert werden sollen.
  • Wir beraten und unterstützen Kinder und Jugendliche bei ihren Problemen und leiten sie an entsprechende Fachstellen weiter.
  • Wir beziehen Einzelne in das (Gruppen-)Geschehen mit ein.
  • Wir stärken den Stellenwert des Einzelnen in der Gruppe.
  • Wir klären über die Rechte der Kinder/Heranwachsenden auf.

Wir schaffen eine gleichberechtigte, vertrauensvolle und respektvolle Atmosphäre:

  • Wir argumentieren mit dem Grundgesetz als das alle Menschen in unserem Land verbindende Prinzip.
  • Wir leben diese Atmosphäre vor (sowohl untereinander als auch im Umgang mit unseren Besucher*Innen).
  • Wir arbeiten nach dem Prinzip der Schweigepflicht.
  • Wir verfolgen einen geschlechterspezifischen und parteilichen Ansatz durch Mädchen- und Jungenarbeit.
  • Wir denken hetereonormativkritisch und hinterfragen vor diesem Hintergrund (auch unsere) Rollenbilder und Lebensentwürfe.
  • Wir sorgen für Gerechtigkeit bei der Nutzung des Hauses und trauen allen alles zu.
    Wir versuchen Beleidigungen durch Worte und Gesten zu unterbinden
    bzw. thematisieren sie.
  • Wir treten anwaltlich auf, wenn es die Situation erfordert.
  • Wir lassen die Sichtweisen der Jugendlichen zu, indem wir zuhören.

Wir fördern Kinder und Jugendliche in ihrer Eigenständigkeit und zeigen ihnen Grenzen auf:

  • Wir lassen unsere Besucher*Innen gewähren (Eigeninitiative, Konflikte, ...)
  • Wir führen Gespräche, um auf Gefahren und das Recht auf die eigene und fremde Unversehrtheit – sowohl körperlich als auch seelisch – hinzuweisen.
  • Wir geben Denkanstöße.
  • Wir geben unseren Besucher*Innen Ämter und Aufgaben und übertragen ihnen damit Verantwortung.
  • Wir geben Räume frei und überwachen nicht alles, um unseren Besucher*innen zu ermöglichen, dass sie Konflikte unter sich lösen.
  • Junge Menschen dürfen Konflikte haben und wir fördern sie darin, fair zu bleiben
  • Freiräumen sind durch die Rücksichtnahme der Interessen aller Grenzen gesetzt.

Für uns gehören Konflikte zum Alltag dazu. Wir tragen sie gewaltfrei und
fachlich aus und geben den Besucher*Innen neue Chancen:

  • Wir geben jeder*m Besucher*In die Chance, sich zu erklären und hören zu (z.B. in Gesprächen mit allen Beteiligten oder in Einzelgesprächen).
  • Wir thematisieren und bearbeiten Konflikte, die eskalieren.
  • Wir nehmen uns ggf. zurück, vertagen weiteres Vorgehen, um sich Unterstützung/ andere Perspektiven zu holen.
  • Wir geben als äußerstes Mittel längerfristiges Hausverbot. Vorher suchen wir andere Mittel und Wege, um Einsicht zu erzeugen. Langfristige Hausverbote sind zwingend im Team zu besprechen und ziehen ein Gespräch mit den Beteiligten nach sich.
  • Wir lassen es zu, dass sich Jugendliche untereinander und an uns reiben und gehen ggf. mit ihnen in den Konflikt.

Wir setzen uns für einen diskriminierungs-, gewalt- und sexismusfreien Raum ein:

  • Wir beziehen Stellung für Einzelne, die von Gruppen diskriminiert oder angegriffen werden.
  • Wir thematisieren gruppenbezogene herabsetzende Verhaltensweisen und Aussagen im Alltag. Wir mischen uns ein.
  • Wir stellen Aufklärungsmaterialien (z.B. das Grundgesetz, Materialien von der Bundeszentrale für politische Bildung etc.) zur Verfügung.
  • Wir zeigen Statements durch Symbole, Flaggen, Poster etc. und zeigen so von Diskriminierung Betroffenen, dass wir auf ihrer Seite stehen.

Raum und Materialien


Wir bieten zielgruppenorientierte Angebote, Räume und Freiräume an:


Aktuell konzentrieren wir uns auf den klassischen offenen Bereich. Langfristig streben wir
an, mehr Gruppenangebote und Projekte durch eine Erhöhung des Personals zu realisieren:

  • Wir bieten den jungen Menschen geschlechtersensible, -spezifische bzw. -neutrale Angebote.
  • Wir passen unsere Öffnungszeiten, Angebote und Materialien fortwährend den aktuellen Bedarfen an.
  • Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft (Offener Bereich). Wir überprüfen externe Anfragen, ob sie für Kinder und Jugendliche relevant sind.
  • Trotz geringer Ressourcen versuchen wir Angebote ergänzend zum Offenen Bereich zur Verfügung zu stellen.Unsere Angebote sind in der Regel eine elternfreie Zone.
  • Wir drängen darauf, dass wir ohne familiäre Zwänge (auf Geschwister aufpassen, Kontrolle durch Brüder) besucht werden können.
  • Wir beziehen Kinder und Jugendliche in Gestaltung, Dekoration usw. mit ein.
  • Wir bieten ggf. Schutzräume und Sonderregelungen an.

Das LUNA ist ein niedrigschwelliger Freizeittreff:

  • Dies wird durch die zentrale Lage des LUNAs mit seinen hellen einsehbaren Räumen und durch die Tatsache, dass das Haus im Alltag nur für die Zielgruppe da ist, begünstigt.
  • Wir bieten einen kostenlosen Offenen Bereich, der ohne Anmeldung und stets auf freiwilliger Basis besucht werden kann.
  • Wir heißen jeden Menschen willkommen – unabhängig von Leistung/ Können, Interessen, (jugend-) kultureller Vorlieben und von gesellschaftlichen Zwängen.
  • Wir nutzen die räumliche Vielfalt für verschiedene Cliquen, Jugendszenen und -kulturen.

Wir gleichen soziale Benachteiligungen aus:

  • Wir bieten Kindern und Jugendlichen, die in beengten Wohnverhältnisse leben, durch die Bereitstellung von Räumen die Möglichkeit sich zu Treffen.
  • Wir schenken empathische Beachtung und Kontakte und geben fehlende Sozialkontakte.
  • Wir stellen zeitgemäße Beschäftigungsmöglichkeiten, z.B. Neue Medien, große und kleine Spielgeräte, Kreativmaterialien, Sportgeräte, Bewegungselemente, Instrumente etc. zur Verfügung.
  • Wir unterstützen musikalische junge Menschen mit dem hauseigenen Tonstudio und Beatkeller.
  • Durch Gespräche, Quiz, Leseübungen/ Zeitung, hauswirtschaftliche und handwerkliche Tätigkeiten fördern wir die allgemeine und lebenspraktische Bildung und üben Alltagskompetenzen ein.
  • Wir wirken unterstützend bei der Berufs- und Bewerbungsberatung.
  • Wir beraten unsere Besucher*Innen in Fragen der Gestaltung ihres Lebens und möglicher Perspektiven. Lebensberatung. 
  • Wir erreichen durch die mobile Arbeit Jugendliche in Randgebieten von Sennestadt wohnortnah und binden sie ggf. in unsere stationäre Arbeit mit ein (Synergieeffekt).

Einen besonderen Stellenwert genießt der integrative und inklusive Ansatz:

  • Wir fördern das Kennenlernen und gegenseitiges Verstehen von Kindern und Jugendlichen. unterschiedlicher Kulturkreise.
  • Wir gestalten im Rahmen unserer Möglichkeiten (bauliche und personelle Ressourcen) unsere Angebote inklusiv.
  • Wir initiieren die Begegnung im Alltag, z.B. beim Fußball (Mannschaften mischen), Kickern, Computer, Karten spielen usw.
  • Wir klären die Beteiligten ggf. über die Besonderheiten bestimmter Verhaltensweisen, körperlicher und geistiger Konstitutionen, Sozialisationen auf und fördern gegenseitige Rücksichtnahme.
  • Wir bieten – wenn möglich – individuelle Einzelförderung/ -beschäftigung.
  • Wir fördern Potenziale und das Selbstwertgefühl bei unseren Besucher*Innen, indem wir sie mit (alters-) adäquaten Angeboten/ Spielen in Kontakt bringen.
  • Wir gestehen übergangsweise einen Schutzraum und Sonderregelungen zu
  • Wir wirken unterschiedlichen nationalistischen Tendenzen entgegen, indem wir die Zugehörigkeit zum Stadtteil Sennestadt fokussieren.
  • Wir tragen dazu bei, Geflüchteten und anderen neuen Bewohner*Innen Sennestadts eine neue Heimat zu geben.

Wir beteiligen uns am Leben im Stadtteil:

  • Wir sind die größte Fachinstitution der Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil.
  • Wir beteiligen uns ressourcenbedingt nur an bestimmten Festen im Stadtteil (v.a. LUNA – Park im Rahmen des Sennestadtfests) und unterstützen die Familienfreundlichkeit Sennestadts.
  • Wir stellen unsere Räumlichkeiten für Aktivitäten anderer Institutionen, z.B. Schulen, Sennestadtverein etc., unter Berücksichtigung der Belange unser Kinder und Jugendlichen zur Verfügung.

Wir sind ein Teil der Sportfreunde Sennestadt:

  • Wir übernehmen das Logo der SfS an bestimmten Stellen in unsere Außendarstellung.
  • Das LUNA nimmt an den Sitzungen des erweiterten Vorstandes und an den Jahreshauptversammlungen teil.
  • Wir verwalten bestimmte Ressourcen des Vereins, z.B. Bulli, mit und übernehmen bestimmte Aufgaben der Jugendverbandsarbeit, z.B. die Spielmobilarbeit sowie die Antragstellung und Mittelverteilung für die Jugendverbandsarbeit.

Bildungsarbeit


Talente und Begabungen können im LUNA entdeckt und angestoßen werden:

  • Wir ermutigen unsere Besucher*Innen zu neuen Beschäftigungsmöglichkeiten ohne Leistungsdruck und nehmen uns Zeit für sie
  • Wir unterstützen vorhandenes Potenzial mit den Möglichkeiten des Hauses, z.B. Klavier, „offene Bühne“, Räume, Veranstaltungen, Kreativwerkstatt etc.
  • Wir loben die Mühe und den Weg im kreativen Prozess und lassen den ungewissen Ausgang zu

Wir legen Wert darauf, den Interessen der Kinder und Jugendlichen gerecht zu werden:

  • Wir fragen die Interessen unser Besucher*Innen ab und gehen darauf ein.
  • Wir stellen uns als Spielpartner*In aktivierend zur Verfügun
  • Wir versuchen vielen verschiedenen Interessen und spontanen Bedürfnissen gerecht zu werden und treten mit unseren Besucher*Innen in einen Aushandlungsprozess.
  • Wir sehen Langeweile als nichts Schlimmes an.

Wir arbeiten partizipativ und regen Bildungsprozesse an:

  • Wir handeln im Rahmen des Möglichen Regeln mit den Besucher*Innen aus, z.B. Sanktionen nach Rauchen.
  • Wir fragen im Rahmen der Planung z.B. beim Mädchentreff Interessen und gewünschte Angebote ab.
  • Wir übergeben im Projekt „Thekenteam“ den Teilnehmer*Innen Verantwortung und lassen sie wichtige Entscheidungen treffen.
  • Wir bilden Minecraft-Coaches aus, welche die PC–Angebote und das Geschehen in der PC-G@lerie mitgestalten.
  • Wir regen an zuzuhören, andere Meinungen auszuhalten und Entscheidungen aufgrund von demokratischen Prozessen zu fällen. Wir leben das vor.
  • Allgemeinwissen durch Förderung der Lesekompetenz, Gespräche, Quiz, Projekte und inhaltliche Angebote (z.B. Kochen, Papierflieger)
  • Wir geben Anreize, eigene Kompetenzen (z.B. mediale, soziale, interkulturelle) zu entwickeln:
    • durch einen betreuten Computerraum
    • durch medienpädagogische Angebote
    • durch Konflikt- und Begegnungskultur,
    • durch Fehlerfreundlichkeit
  • Wir erweitern die Sprachfähigkeit durch Gespräche vor allem über gerade Erlebtes, Spiele, Projekte etc.
  • Wir vermitteln Differenzsensibilität/ kritisches Denken durch Informationen geben, diskutieren, Stellung beziehen, nach Gefühlen fragen.
  • Wir argumentieren für die Gleichberechtigung der Liebe und vertreten einen heteronormativ-kritischen Ansatz

Wir machen gesunde Ernährung zum Thema:

  • Wir thematisieren gesunde bzw. ungesunde Ernährung (z.B. über Koffein, Acrylamid, Tabak usw.)
  • Wir sprechen Verbote aus für z.B. Alkohol und Tabakwaren allgemein, Cola im KinderTreff oder Energydrinks im TeenyTreff.
  • Wir steuern gesunde Ernährung durch entsprechende Angebote an der Theke.

Wir thematisieren Umweltschutz:

  • Wir richten Nutzflächen ein, z.B. durch die Bepflanzung mit Blumen, Kräutern, Salat, Gemüse etc. von z.B. Balkonkästen und Kübeln.
  • Wir sähen eine Bienenwiese, betreiben ein Insektenhotel und erklären die Gründe.
  • Wir thematisieren Müllentsorgung, -vermeidung und –trennung, z.B. durch ein internes Pfandsystem